Zurück zur mittelalterlichen Stadt?

Die europäischen Städte, die im Mittelalter entstanden sind, waren geprägt von einer Mischung von Wohnen, Handwerk und Handel und waren dadurch belebt. Das galt auch für Neuss. Nach dem Krieg hat ein Wandel zu einer vom Handel und Gastronomie dominierten Innenstadt stattgefunden. Wohnen wurde in die Außenbezirke verdrängt mit der Folge, dass abends die Innenstadt leblos wurde. Durch den Online-Handel werden die Angebote an Waren nicht mehr nachgefragt, was zur Folge hat, dass die Innenstadt droht weiter auszubluten.

Wir vom Forum Stadtentwicklung von neuss agenda 21 e.V. sind der Meinung, dass die Innenstadt sich wieder zurück zu ihren Wurzeln entwickeln muss. Dazu gehört die Transformation der sterbenden Kaufhäuser, so wie es die vom Rat beschlossenen Pläne für den Kaufhof und die von Planungsbüros vorgestellten Ideen für die drei anderen Kaufhäuser vorsehen. Dazu gehören auch neben Wohnungen die Verlagerung einer erweiterten Stadtbibliothek in den Konvent (ehem. Kaufhof) und andere kulturelle Angebote.

Warum nicht doch eine dringend benötigte Kunsthalle auf dem Wendersplatz? Auch Raumangebote für Start-Ups und Freizeitaktiviäten könnten zur Belebung beitragen. Außerdem müssen Plätze wie der Neumarkt verstärkt zu Wohnquartieren umgewandelt werden und begrünt werden, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Ein wesentlicher Faktor für eine belebte Innenstadt ist das Zurückdrängen des Autoverkehrs aus der Innenstadt in die Parkhäuser am Rande. Straßen und Gehsteige müssen wieder frei werden für Spielflächen für Kinder und zum Flanieren. Ansätze gibt es schon, wie der Markt und die Neustraße. Ein autofreier Glockhammer und Sebastianusstraße könnten folgen. Der Anfang ist gemacht.

Roland Kehl
Sprecher Forum Stadtentwicklung 
neuss agenda 21 e.V.