Für ein interkulturelles Miteinander

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2015-05-25-19_14_54-85a471ebNeuss. Beim Neusser Stadtgespräch im Kulturforum Alte Post ging es um Gesellschaft der Zukunft, die auch in Neuss bunter sein wird. „Bürger“-Präsident J.-Andreas Werhahn sieht die Wirtschaft in der Rolle „eines großes Integrationsinstitutes“. Von Marcel Kleifeld

J.-Andreas Werhahn bringt mit seinem Talent zum Rekeln eine besondere Komponente in die Diskussion. Ein Beispiel: „Dass Sie heute moderieren, ist doch ein wunderbares Zeichen gelungener Integration“, sagt der Vorsitzende der Bürgergesellschaft in Richtung von Moderator Andreas Vollmert. Der ist Düsseldorfer. Applaus und Gelächter. Später am Abend gibt es allerdings auch ernstere Töne.

Beim sechsten Neusser Stadtgespräch stand im Kulturforum Alte Post jetzt das Thema „Miteinander in Neuss – wie organisiert sich die interkulturelle Stadtgesellschaft?“ im Fokus. Ziel war es, das Zusammenleben verschiedener Kulturkreise zu thematisieren und positive Aspekte, aber auch Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Neben Werhahn gehörten Bürgermeister Herbert Napp, Durdu Yavuz (Verein Puzzle-Frauen), Ozan Erdogan (Vorsitzender des Neusser Integrationsrates) sowie Katja Feld (Institut für soziale Innovation, Solingen) zu den Rednern. Veranstalter waren die Agenda 21, das Kulturforum Alte Post sowie die Neusser Eine-Welt-Initiative (NEWI).

Die Podiumsdiskussion war eingebettet in die Themenwoche „Anders sein“, die am Montag mit einem kulturellen Flashmob eröffnet worden war und am kommenden Sonntag endet. Insgesamt 14 Neusser Kulturinstitute beteiligen sich an der Aktionswoche.

Bürgergesellschafter Werhahn verdeutlichte, dass vor allem die Wirtschaft ein großes Integrationsinstitut sei und man fortlaufend Arbeitsplätze schaffen müsse. Zu glauben, dass Zuwanderer nichts könnten, sei ein gewaltiger Irrglaube. „Außerdem müssen sich auch Deutsche integrieren“, sagte er.

Bürgermeister Napp bemühte sich um eine geeignete Definition von Integration. Integration bedeute nicht, sich in einen bestehenden Rahmen einzufinden. Stattdessen gehe es darum, dass man sich mit kulturellen Besonderheiten einbringe und dadurch den städtischen Rahmen verändere. In eine ähnliche Richtung zielte Katja Feld. Zuwanderer seien nicht nur hilfsbedürftig, sie hätten auch etwas zu bieten, zeigte sie auf.

Durdu Yavuz war einst mit ihren Eltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Die Neusserin bezeichnet ihre Stadt als gastfreundlich. Eine Initiative wie die Puzzle-Frauen in Neuss auf die Beine zu stellen, sei wegen anfänglicher Skepsis der Bürger aber nicht leicht gewesen. Ozan Erdogan vom Integrationsrat äußerte den Wunsch nach einer warmherzigen Willkommenskultur.

Die Zuschauer in der sehr gut besuchten Alten Post beteiligten sich lebhaft an der Diskussion. Eine Lehramtsstudentin mit ausländischen Wurzeln – ebenfalls Mitglied der Puzzle-Frauen – bezeichnete die Integration in Neuss als verbesserungswürdig. Es sei schade, dass es im Jahr 2015 überhaupt noch solche Probleme gebe.

Andere Zuschauer betonten die „gute Integrationsfähigkeit“ der Stadt. „Wir brauchen gut ausgebildete Flüchtlinge ganz dringend“, sagte eine Frau in die Runde und forderte, auf Flüchtlinge zuzugehen.

Quelle: NGZ